Guerilla-Marketing für Google – ein Erfahrungsbericht

Beim Guerilla-Marketing wird versucht, mit geringem Mitteleinsatz und ungewöhnlichen Marketing-Aktionen große Wirkung zu erzielen. Online-Marketing-Aktivitäten, die darauf abzielen, sich eine wertvolle und reichhaltige Linkausbeute und damit verbunden immense Suchmaschinenvorteile zu verschaffen, könnte man somit eigentlich Google- oder Suchmaschinen-Guerilla-Marketing nennen. In SEO-Kreisen bezeichnet man das Auslegen von Ködern zum Zwecke der Linkbeschaffung jedoch als Linkbait. Linkbaits sind der Schlüssel zum Erfolg im Suchmaschinenmarketing. Sie gehören zu den erlaubten und emfohlenen Tipps und Tricks für White-Hat-Optimierer.

Passend zum Thema veröffentliche ich heute erstmals einen Gastbeitrag im Marketing- und SEO-Blog, der mir von der Flyer-Druckerei INnUP (Herrn Phillip Bock) eingereicht wurde.

Die Online-Druckerei dokumentierte für uns eine selbst gemachte, erfolgreiche Linkbait-Aktion:

Der Sandbox entkommen

oder: Wie Google merkte, dass ich erwachsen bin

Wer heute eine Webseite neu ins Netz bringt, und hier Kunden akquirieren möchte, muss gefunden werden, und zwar über:

  • Offline Marketing der Seite durch PR, Anzeigen, Direkt Mailings, Flyer- und Gutschein-Aktionen etc.
  • Bezahlte Online-Werbung bei Google oder Yahoo
  • Freie (organische) Suchergebnisse der verschiedenen Suchmaschinen.

Wer den dritten Punkt als Säule seiner Strategie auswählt, kommt in Deutschland an Google nicht vorbei. Hierzulande beantwortet Google zur Zeit ca. 89,5 % aller Suchanfragen (Tendenz steigend). Nicht mitgerechnet z.B. t-online.de, die ihre Suchergebnisse ebenfalls von Google beziehen.

Und um Google für sich zu gewinnen, brauchen Sie heutzutage einen eigenen Marketing-Plan:
Wie überzeuge ich Google, dass ich cool bin und Google mich kaufen sollte?

Da es kaum von Google selbst verifiziertes gibt, baut die nun folgende „Gebrauchsanweisung“ auf Gerüchte und Erfahrungen Dritter, sowie vor allem auf eigene Erfahrungen, die ich hier mit Ihnen teilen möchte.

Ich habe vor einem Jahr ein Unternehmen gegründet (www.innup.de), das im Verkauf von Flyern und Postern sowie in der vorgeschalteten Gestaltung und Dateienbearbeitung DER zentrale Marktplatz für Print-Werbung des Deutsch-sprachigen Raumes werden soll.

Nun werden Flyer entweder bei einem dem Kunden bereits bekannten Drucker geordert, oder man geht eben zu Google und sucht mal ein wenig herum. Das Schlüsselwort „Flyer“ zum Beispiel ist hier hoch umworben. Indikative 63 Mio Webseiten beinhalten dieses Wort, und wenn man sich den Traffic über die gesponsorten Anzeigen (Adwords) einfach kaufen möchte, bezahlt man etwa 2,00 Euro je Klick, wenn man mit seiner Anzeige auf der ersten Seite stehen möchte. Um auf den ersten Positionen zu stehen, muss das Gebot schon Richtung 3 – 4 Euro liegen, wohl gemerkt, je Klick!

Sehr verlockend also, den Traffic „umsonst“ zu bekommen: Einfach an erster Stelle bei den „normalen“, auch „organisch“ genannten Suchergebnissen bei Google stehen; Sie wissen schon, die Ergebnisse, die links stehen.

Hier kostet es gar nichts, wenn jemand den Link zu Ihrer Seite klickt. Aber entsprechend gerne stünden natürlich auch alle anderen Drucker und Druckvermittler der Republik unter diesen Suchworten ganz oben.

Welche Chancen hat also so ein Neu-Ankömmling, sich ganz nach oben zu hangeln?
Eigentlich keine. Es ist allgemein akzeptiert, dass es hier zwei Stolpersteine gibt:

  • Google liebt, mehr als andere Suchmaschinen, alte Domains. Je länger die Domain bereits bekannt ist, desto mehr Vertrauen hat Google in die Sache. Eine ein bis drei Jahre alte Domain hat große Nachteile, verglichen mit einer sechs Jahre alten Domain.
  • Google betreibt, so vermutet man, eine so genannte Sandbox. Hier, im Sandkasten, dürfen neue Webseiten spielen, bis sie denn erwachsen geworden sind. Vorher nix Bühne und nix Vortanzen, also auch nix Business mit Google für umsonst.

Ich habe es dennoch versucht, und es ist mir auch geglückt, mit einer neuen Domain in relativ (!) kurzer Zeit die Google Spitze zu erklimmen, wenn auch noch nicht komplett, so konnte ich doch bereits Gipfelluft schnuppern und sogar schon ein wenig davon leben.

Für die Schlüsselworte „Flyer drucken“ schwankt meine Seite mittlerweile zwischen Position 6 und 9 bei google.de, für viele andere Suchworte wie „flyer„, „aufkleber„, „plakate drucken„, etc findet sich der Link auf der zweiten Google-Seite.

Und das alles ist über Nacht gekommen. Mit den doppelten Suchbegriffen („flyer drucken“) habe ich zuvor lange auf der dritten, vierten oder fünften Seite, teilweise wie festgenagelt, gehangen. Mit einfachen Worten, wie „flyer“ oder „aufkleber“ war ich auf den ersten 10 Seiten gar nicht zu finden.

Bis Google eines Tages (in der Nacht auf den 20.6.2007, um genau zu sein) entschieden hat, dass ich nun volljährig bin. Und das lediglich 7 Monate, nachdem ich angefangen habe, Google zu umwerben. Meine Mitstreiter auf den ersten zwei Seiten bei Google haben ein durchschnittliches Domainalter von über fünf Jahren.

Was für ein großartiges Gefühl! Monatelang an der Scheibe gekratzt, geklopft, gesungen, einen Affentanz veranstaltet. Und für wen? Für einen Algorithmus! Und endlich habe ich seine Sympathie erobert. An der Liebe arbeite ich noch.

Hier also meine Anleitung, basierend auf meiner jüngsten Erfahrung, wie es denn geht:

Mein Google Marketing Plan:

1. a) Aufmerksamkeit erregen
1. b) Richtige Identifizierung
2. Vertrauen erwecken

Aufmerksamkeit erregen, aber Achtung: Richtige Identifizierung behalten

Der erste Schritt „Aufmerksamkeit erregen, aber richtig“ ist der einfachste Schritt, allein aber wenig oder gar nicht effektiv. Hier kommen die früher so beliebten und aktuell so verschmähten Linktausche und Kataloge ins Spiel. In dieser Phase machen Sie Masse, aber Achtung, auch hier können Sie elegant steuern. Am besten suchen Sie sich Kataloge, die auch bereits Ihre Konkurrenten (die erfolgreichen) listen. Das hat zwei Vorteile:

  • Wahrscheinlich erwischen Sie solche Kataloge, die wenigstens etwas „Google-Liebe“ verteilen, da Sie ja all jene finden, die Ihre erfolgreichen (!) Konkurrenten nutzen.
  • Sie sind in einer relevanten Nachbarschaft für Google. Wenn eine Seite zu 20

    für Google relevanten Saftverkäufern hinlinkt, und Ihr Link befindet sich ebenfalls dabei, dann hilft das, den Algorithmus zu überzeugen, dass Sie ebenfalls ein relevanter Saftverkäufer sind (Vgl.: seobook.com).

Ich habe hier zum Beispiel einen Fehler gemacht, der mich nach wie vor die eine oder andere Position kostet: Um meine Webseite so früh wie möglich Google „vorzustellen“, habe ich mir vor einem guten Jahr einfach ein paar Links von eigenen älteren Seiten aus dem Bereich Ferienwohnungen gesetzt (wir vermieten eine in der Toskana).

So ging mein Zeitzähler eben schon früher los, aber dadurch, dass ich nun schön alte Links aus dem Bereich Ferienwohnungen und Toskana habe, denkt Google, dass meine Seite damit zu tun habe.

Wie finden Sie nun also die Kataloge und Artikel-Verzeichnisse, die Ihre Konkurrenten nutzen?

Zunächst legen Sie eine Liste der Webseiten an, die bei Ihren Wunsch-Schlüsselworten besonders erfolgreich sind. Bisher war es möglich, bei Yahoo mit dem Kommando: link:www.der_konkurrent.de eine Liste von Links zu erhalten, die die jeweilige Seite vorzuweisen hatte. In der letzten Zeit funktioniert dieses Kommando immer seltener. Google und MSN haben es bereits früher abgeschafft oder wertlos gemacht haben. *)

Also muss der mühseligere Weg her:

Bei Google der_konkurrent suchen, oder, effizienter, aber unvollständiger der_konkurrent_1 und der_konkurent_2 gleichzeitig suchen. So finden Sie die Seiten, die zu beiden hinlinken, und dann versuchen Sie, eben auch Ihre Seite in der guten Nachbarschaft verlinkt zu bekommen.

Ein weiterer Weg, themenassoziierte Link-Quellen zu finden, ist, nach den eigenen Ziel-Schlüsselworten zu suchen, und im unteren Bereich der Google-Ergebnisse (z.B. durchaus bis Position 300) nach Seiten zu sehen, die sehr zum Thema passen und entsprechend Links zu Ihren Konkurrenten haben (oder haben werden). Gerade, wenn Sie hier junge Seite finden, die bisher noch wenig PageRank haben (z.B. in meinem Bereich www.flyer-druckereien.de) kann ein solcher Link eine Investition in die Zukunft sein, in sehr themenrelevantem Umfeld und ist dann zumeist auch einfach zu bekommen.

Vertrauen wecken:

Google verdient Milliarden $, weil Milliarden Menschen der Suchmaschine vertrauen, dass saubere und relevante Ergebnisse kommen. Dieses Vertrauen muss Google aber jeden Tag rechtfertigen. Und daher sind all jene Komponenten im Algorithmus, die auf Vertrauenswürdigkeit einer Webseite achten, eine Art Eintrittskarte: Wenn die nicht da ist, kein Zugang, weder zur ersten noch zur zweiten oder dritten Seite bei viel gesuchten Begriffen.

Google hat verschiedene Mechanismen, das so genannte TrustRank zu vergeben. Aber das wohl wichtigste Kriterium ist die Nähe zu bekannt vertrauensvollen Seiten.

Hier ist Google fair. Links von schlechten Seiten (Viren-verseuchte Porno-Netzwerke z.B.) schaden nicht. Aber ein Link vom Weißen Haus wäre wohl Gold wert (egal, wer gerade darin sitzt). 🙂

Links ZU schlechten Seiten allerdings sind hochschädlich, während Links zu guten, themenrelevant Seiten wohl ein wenig helfen.

Also hätte in meinem Marketingplan ganz oben stehen können: Link vom weißen Haus bekommen. Das ist natürlich für so einen Deutschen Gründer-Emporkömmling nahezu wenn nicht komplett unmöglich, und so weit ist mein Ehrgeiz dann auch nicht gegangen.

Aber ein Deutsches Ministerium müsste doch drin sein, habe ich mir gedacht. Also habe ich zunächst die Webseiten der verschiedenen Ministerien besucht und eroiert, welches denn überhaupt externe Links setzt, und in welchem Rahmen. Dabei bin ich auf das Ministerium der guten Frau von der Leyen gestoßen, einer bekanntlich umtriebigen und dynamischen Frau. Und genau so stellt sich nun auch ihre Webseite dar, oder besser die ihres Ministeriums. Viele Artikel über eigene und unterstützte Projekte mit fleißig Links nach draußen.

Und siehe da, nach ein paar Tagen finde ich auch eine Geschichte, die mich interessiert. Der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe hat, unterstützt vom Ministerium eine Kampagne „Standpunkte 2007 – Für das gewaltfreie Leben von Frauen“ ins Leben gerufen.

Als Unternehmen haben Sie immer etwas zu bieten, was sozial engagierte Verbände und Vereine benötigen können. Wir haben uns, nach einem sehr netten Telefonat, auf das gemeinsame Ausschreiben eines Design-Wettbewerbs geeinigt, nebst Sponsoring des Drucks des so entstehenden Aufklebers.

Während der Durchführung des Wettbewerbs haben sowohl der Verband als auch wir mächtig die Werbetrommel für die Teilnahme gerührt, mit entsprechenden Reaktionen. Sowohl in unserer Zielgruppe Gestalter ist der Wettbewerb besprochen und verlinkt worden, als auch aur einer weiteren Webseite mit mächtig Autorität (7er PageRank auf der Eingangsseite). Aber eben auch direkt vom Ministerium, und das gleich drei Mal:

  • einmal in der Ankündigung
  • einmal in einer seltsamen Verdopplung der URL
  • und dann ein drittes Mal nach Beendigung des Wettbewerbs und Verkündung der Gewinnerin

Und ist dreimal Frau von der Leyen nicht viel besser als einmal George Bush?! 😉

Es waren also drei Motoren, die mich auf die Seite 1 gebracht haben bei meinen wettbewerbsintensivsten Schlüsselworten:

  • Reine Link-Masse durch klassische Artikel-Datenbanken und Web-Kataloge.
  • Themenrelevanz beachten
  • Vertrauen schaffen durch Links von hochwertigsten Seiten. Erreicht durch klassische PR- und Sponsoring-Aktionen online.

Viel Erfolg und immer bedenken: Der Durchbruch bei Google kommt bei aggressiv beworbenen Seiten über Nacht. Wenn es also bis heute noch nicht geklappt hat: Weiter drücken, heute Nacht kann es schon passieren und Sie sind erwachsen.

Der Gastbeitrag wurde geschrieben von Phillip Bock, www.innup.de

*) Anmerkungen von fob marketing:

Die Linkabfrage bei Yahoo funktioniert zwar nicht mehr mit domain:domain.de, dafür aber jetzt mit linkdomain:domain.de. Wenn man eigene Links ausschließen möchte, schreibt man linkdomain:domain.de -site:domain.de. Mit der Beschaffung qualitativ minderwertiger Links von so genannten „Bad Neighbourhood -Seiten“ wäre ich darüber hinaus lieber sehr vorsichtig.

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